http://www.spd-diekholzen.de/kommunal/r ... resse1.htm26.7.2010 - Am Roten Berg wird die Luft dünner
Eine Spezialeinheit der Polizei zeigt den Rasern unter den Motorradfahrern die Grenzen auf
Für die Raser unter den Motorradfahrern wird es immer enger. Seit dem Frühjahr rückt eine Spezialeinheit der Polizei regelmäßig zu Kontrollen aus. Mit Erfolg - die Biker zeigen Respekt. Im hohen Gras ist das Messgerät kaum zu erkennen. Ein schmales Stativ, obendrauf eine Videokamera, abgedeckt mit einem kleinen Tarnnetz. Als die silbergraue Geländemaschine durch die Radarfalle rauscht, ist es zum Bremsen zu spät. Unten am Fuße des Roten Berges sieht der Fahrer aus Hannover die Haltekelle. Polizist Rainer Kahr lotst den Biker auf den Parkplatz bei Diekholzen.
Seit die Polizei-Inspektion Hildesheim im Frühjahr eigens für Motorradfahrer eine Kontrollgruppe eingerichtet hat, wird die Luft für die Raser unter den Bikern immer dünner. An fast jedem Wochenende ist die Spezialeinheit an den einschlägigen Rennstrecken im Einsatz: Meist am Roten Berg, aber auch am Weinberg bei Nette oder auf der Alfelder Wernershöhe.
Der Motorradfahrer aus Hannover ist eher ein Beifang. 87 Stundenkilometer, wo 60 erlaubt sind. Für Kahr, den Leiter der Kontrollgruppe, und seinen Kollegen Andreas Drotschmann, ein kleiner Fisch. Ihnen geht es in erster Linie um die ganz harten Fälle, um solche, die auf der kurvenreichen Strecke zwischen Diekholzen und Sibbesse regelrechte Rennen nach Zeit fahren. „Die stellen sogar Videos über ihre Rennen ins Internet“, sagt Drotschmann.
„Achtung, Rennmaschine, 111 Stundenkilometer, Kennzeichen hochgebogen“, schallt es aus dem Funkgerät. Es ist die Stimme von Karsten Nitz. Der Polizeihauptkommissar sitzt am Waldrand auf einem Campingstuhl, neben ihm Holger Bartels vom Ordnungsamt des Landkreises. Bartels löst per Fernbedienung die Videokamera aus, Nitz gibt die Meldung an seine Kollegen auf dem Parkplatz weiter.
Doch Kahr und Drotschmann warten vergebens auf den „Kunden“. Offenbar hat der sich mit seinem Motorrad in die Büsche geschlagen. Er weiß: das hochgebogene Nummernschild gibt sein Kennzeichen nicht preis, die Polizei kann ihn nicht identifizieren. „Den hole ich mir“, sagt Kahr, setzt sich ins Auto und braust den Roten Berg hinauf. Minuten später ist er zurück - der Raser ist wohl über einen der Waldwege geflüchtet.
Wer es mit der Kontrollgruppe zu tun hat, braucht gar nicht erst zu versuchen, einem der zehn Beamten ein X für ein U vorzumachen. Sie alle sind selbst erfahrene Biker, wissen genau, mit welchen Tricks manche Motorradfahrer ihre Zweiräder in hochgezüchtete, infernalisch laute Rennmaschinen verwandeln.
Kahr winkt zwei Motorräder mit hannoverschem Kennzeichen auf den Parkplatz. Drotschmann wird hellhörig – eine der Maschinen erscheint ihm zu laut. „Die habe ich so durch den TÜV gekriegt“, sagt der Fahrer. Da hat der Polizeioberkommissar schon bessere Ausreden gehört. „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“, sagt er und zieht das Schallpegelmessgerät aus der Tasche. Bei halber Motordrehzahl hält der Polizist die Messsonde an den Auspuff. 96 Dezibel stehen auf der Anzeige. Der Wert ist am Limit, aber gerade noch erlaubt.
Für einen Kawasaki-Fahrer aus Burgdorf ist die Fahrt hingegen abrupt beendet. Seine Maschine macht einen Höllenlärm: 107 Dezibel, fast so laut wie ein Düsenflugzeug. Kein Wunder, der Auspuff ist Marke Eigenbau. Kahr und Drotschmann montieren das Teil an Ort und Stelle ab. Der Burgdorfer muss seine Maschine mit einem Anhänger abholen lassen. Eine saftige Geldbuße und Punkte in Flensburg sind ihm sicher.
Der weitaus größte Teil der Motorradfahrer halte sich an die Regeln, sagt Rainer Kahr, der auch Leiter des Alfelder Polizeikommissariats ist. Es gehe um den harten Kern der Raser, um vielleicht vier oder fünf Prozent.
Die massiven Einsätze der Kontrollgruppe zeigen bereits Wirkung. „Wir haben etliche Rückmeldungen von Bürgern, dass die Lärmbelästigung zurückgegangen ist“, sagt Kahr. Es gibt aber noch andere Hinweise auf die Erfolge der Spezialeinheit. In Internetforen wie
http://www.kurvenjäger.de kursieren bereits Empfehlungen, die bei Rasern beliebten Rennstrecken südlich von Hildesheim wegen der vielen Kontrollen tunlichst zu meiden. Rainer Kahr freut`s: „Was will man mehr?“ (wü)